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Todtraurig ist Hans Christian Andersens Märchen vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“, das am Silvesterabend barfuss an einer Hauswand im Schnee erfriert, weil niemand ihm ein Bündel Streichhölzer abkauft. Anders als traditionelle Märchen, die oft in einem fernen Land vor langer Zeit spielen, haben Andersens Geschichten immer die Wirklichkeit als Hintergrund, die er detailliert beschreibt und mit wundervollem Geist erfüllt. „Ritsch“ – die aufflammenden Schwefelhölzchen imaginieren die Wonnen des bürgerlichen Wohlstands. Die emotionale Temperatur, die Andersen in diesem Stoff vorfindet, ist jene, die man allzu häufig auch in unserer Gesellschaft fühlt: Eiseskälte. Das Kind, das in der letzten Nacht des Jahres Streichhölzer verkaufen soll und die Hölzer nach und nach anzündet, um sich zu wärmen, wird zur Chiffre eines gesellschaftlichen Zustands, in dem Gefühlskälte, Teilnahmslosigkeit, soziales Desinteresse und Rohheit bis zur physischen und psychischen Gewalttätigkeit die menschlichen Nicht-Beziehungen bestimmen. Im Erfrieren halluziniert das kleine Mädchen noch das Licht und die Wärme in den Häusern der Menschen, und es fühlt sich von der gütigen Großmutter an die Hand genommen und in eine hellere, bessere Welt geführt. Doch in der Wirklichkeit sieht alles immer – zu Andersens Zeiten genauso wie in unseren Tagen – grausamer, härter, gnadenloser aus: Da liegt plötzlich ein Mensch auf der Straße, tot, erfroren, starr und wird irgendwann fortgekarrt, nicht von der Großmutter, nicht ins Helle und ohne Musik ... Mit 15 Liedern begleitet Karl M. Sibelius das kleine Mädchen durch die eiskalte Nacht und erzählt die berührende Geschichte einer Antiheldin in musikalisch-poetischen Rahmen, doch nicht ohne feine Ironie und Satire. |
Inszenierung Karl M. Sibelius Kostüm Silke Fischer Dramaturgie Thomas Barthol Raum Florian Parbs Mit Karl M. Sibelius, Martin Dvořák, Silke SILK Grabinger Yova Serkova, Fabian Rucker |